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Col du Gondran (2347 m) Le Janus (2529 m)

Montgenevre und Mont Chaberton

Auffahrten

Von Renko – Die Auffahrt beginnt in der französischen Alpenmetropole Briançon. Man folgt der legendären D902 in Richtung Col d’Izoard. Bereits beim Verlassen der Stadt beginnt der markierte Radstreifen, der sich als Unikat von hier bis hinauf zur Passhöhe des Izoard zieht.
Die Strasse gewinnt zuerst zügig an Höhe. Hinter Fontchristianne lässt die Steigung nach. Dann nach insgesamt zwei Kilometern zweigt unsere Straße nach links ab (siehe Foto 2). Die für den motorisierten Verkehr gesperrte Straße führt leicht an Höhe gewinnend weiter in die gleiche Richtung wie die D902. Schon am Anfang aber kündigt sich die Rückkehr in ein anderes Zeitalter an: die Straße ist zwar geteert, aber der Belag befindet sich in einem desolaten Zustand und wird offenbar seit Jahren nicht mehr unterhalten. Teilweise ist die an den Seiten erodierte Straße nur noch sehr schmal. Zudem sind etliche und aber-etliche Schlaglöcher zu umfahren, und die Straße ist oft von Splitt und Schotter zumindest teilweise bedeckt, so dass der Fahrer sowohl physische als auch mentale Kräfte einsetzen muss.

Nach insgesamt vier Kilometern erreicht man eine sich nicht im Verfall befindliche Militärinstallation. Zur Beruhigung des Fahrers sind aber hier MTB-Wegweiser aufgebracht, so dass man eine Verhaftung durch die Militärpolizei nicht zu fürchten braucht. Hier mündet eine ebenfalls aus Briançon kommende Staubstraße ein, die der Autor am Rande der Stadt versehentlich gesucht hatte. Bei der Einmündung biegt unsere Straße scharf nach rechts.
Ab hier verbessert sich der Strassenbelag sichtlich. Hier ist aber die Straße steiler und erstmals waldfrei. Um drei Uhr nachmittags am 30. Juli ist die Hitze schon recht heftig und für mich, einen faulen Nachmittagsfahrer, oder Siesta-Liebhaber, nur mit Mühe auszuhalten. Der stark abfallende Hang ist auch nicht abgesichert, und viele Steine deuten auf die Gesteinsarten, welche die Südseite des nahe gelegenen Izoard weltberühmt gemacht haben. Endlich folgt eine Kurve nach links. Nach kurzem Abschnitt eine weitere nach rechts: so geht die Querung des Südhangs weiter.

Der Tag hatte in L'Argentière begonnen, nach zwei Wochen auf dem MTB. Die Leistung war am Vormittag so miserabel, dass ich einige Stunden in Briançon verbrachte, um mich zu erholen. Den Tag zuvor hatte ich an einem meiner Lieblingspässe, dem harten und sehr langen Col du Parpaillon verbracht.
Für diesen Tag hatte ich eigentlich einen Besuch des nordwestlich von Briançon gelegenen Col du Granon geplant, wollte ihn aber für den nächsten RR-Besuch aufbewahren.

Mit zunehmender Höhe komme ich langsam aus der Lethargie: die Luft wird etwas frischer. Aber es sind die zunehmend weiten Aussichten, die mich langsam in immer besserer Laune vesrsetzen. Die Ausblicke in Richtung Izoard begeistern immer mehr, so auch die ersten Blicke nach Briançon und auf das westlich liegenden Massif des Écrins.

Nach links biegt ein Fussweg zum Fort de l'Infernet (Foto 9). Zeit habe ich leider keine, es ist bald fünf Uhr. Eine weitere Kurve, und das Ende ist in Sicht. Oben stehen weitere Militärgebäude, sowie die Bergstation eines Sessellifts, der hier vom Montgenèvre herauf führt. Zudem gibt es eine Kabinenbahn auf unserer Seite, die aber stillgelegt aussieht – die Masten sind stark verrostet. Das ganze Gebiet sieht ziemlich verlassen aus. Manche Militärgebäude stehen noch, andere sind nur noch Ruinen. Oben ankommend fügen sich die Teilaussichten zusammen und bilden eine traumhafte Vista. Es sollte aber noch besser werden.

Fahre ich ein kurzes Stück weiter, dann ist die Sicht frei auf etwas wie aus einem Märchen. Vor mir auf einem Berg sind Gebäude auszumachen, und dort hinauf gibt es eine Straße, wie eine lange Narbe aussehend. Ich komme mir vor, als befände ich mich in Siebenbürgen und stünde vor der Auffahrt zum Schloss Dracula.
Kurz nach dem Pass löst sich Asphaltierung langsam auf. Rechts biegt die geschotterte Abfahrt nach Montgenèvre ab, dann die letzten Reste des Belags. Bei einem Skilift ist Endstation für Radfahrer.

MTB-Fahrern steht die Gipfelstraße bevor. Aber Rennradfahrer sollten unbedingt zu Fuß weiter, denn hierher kommt man höchstens einmal im Leben. Keiner kommt ein zweites Mal. Also Deckel auf die Schuhe montieren und zu Fuß weiter. Vierzig Minuten Marschzeit hat man auf der auch für MTB-Fahrer teilweise extrem anspruchsvollen Strasse (20 hin, 20 zurück ab der Schranke). Dann erreicht man schliesslich Le Janus auf 2529 m Höhe mit seinen Militärgebäuden und –Installationen.

Hier oben gibt es keine Hindernisse mehr, die das Panorama einschränken könnten. Der uneingeschränkte 360-Grad Blick, allein oben am Berg, begleitet nur von den verfallenen Installationen und den Geistern der Soldaten, die über Frankreichs Grenze zu Piemont und Italien wachten, gehört zu den bewegendsten Momenten, die ich mit dem Fahrrad erlebt habe. Die Stille ist perfekt, die Fernsicht im Gegensatz zur im Hochsommer oft dunstigen Alpennordseite der Schweiz daheim nahezu uneingeschränkt. Blicke ich nach Westen, sehe ich in weiter Ferne die Gipfel des Massif des Écrins, die südlichsten und auch westlichsten Viertausender der Alpen. Sie sind die eisgepanzerten Berge, die man vom Col du Galibier aus sieht. Unterhalb dann Briançon. Ein Stück weiter im Uhrzeigesinn der 2644m hohe Crête de Peyrole, hinter ihm das hinauf zum Col du Lautaret führende Vallée de la Guisane. Ein paar Grad weiter die Ortschaften zwischen Briançon und dem Col du Montgenèvre. Dann der Blick in das nach links abbiegende Val des Prés, an dessen Ende das Val de Névache nach links abbiegt. Nach rechts ganz klar sichtbar die kleine Erhebung zum Col de l’Echelle, der die Weiterfahrt hinab nach Bardonecchia ermöglicht. Weiter richtet sich der Blick zu den Skistation am Col du Montgenèvre. Und hinter ihm ragt eine Art Eiger-Nordwand: der Mont Chaberton.

Wegen ihm gibt es, wie am Anfang schon erwähnt, überhaupt eine Strasse auf den Janus. Die von den Alpini gebauten Installationen auf dem Chaberton wurden im Jahr 1940 von genau hier am Janus aus bombardiert und zerstört. Die Straße dagegen war noch vor ein paar Jahren mit MTB durchgehend befahrbar. Hinter dem Berg senkt sich das Land hinab nach Cesana Torinese. Hinter der Ortschaft steht der 2701 m hohe Mont Fraiteve. Von ihm geht es links nach Oulx, rechts nach Sestrière.

Und schliesslich weiter im Uhrzeigesinn bis zu einer Bergkette am Horizont. In der Mitte der Bergkette gibt es eine breite Senke: es handelt sich um nichts anderes als den Col d’Izoard aus der Ferne (Foto 19). Die drei Fahrten über ihn hinterliessen bei mir im Gegensatz zu den meisten Radfahrern keine positiven Eindrücke. Aus der Ferne dagegen sieht er großartig aus. Und durch die Izoard-Senke in weiter Ferne sichtbar die Queyras-Berge mit einem anderen Killer-Pass: der Col Agnel, das ganze mit weisser Quellbewölkung dekoriert.

Ich drehe mich mehrmals um mich selbst, erstaunt, dass ich praktisch alles erkenne, als säße ich zuhause in Zürich mit einem Atlas in der Hand. Aber hier habe ich eine lebende Landkarte. Ich sitze oben in dem nun angenehmer gewordenen Sonnenschein und esse Käse und Schinken mit Brot. Es sind traumhafte Gefühle. Die Entspannung nach einer sehr harten Auffahrt, das Geniessen von frischer Bergluft, die fantastischen Aussichten und französisches Essen. Ich halte diese Auffahrt für eine der allerschönsten und lohnendsten, die ich in den Alpen bis heute gefunden habe.

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01:40:14 | 05.07.2005
gyorgyigabor
Dolce Vita
Von Renko – ++ NICHT RENNRADTAUGLICH ++

Die in der wenig schönen Pass-Skistation Montgenèvre beginnende Auffahrt ist nur ganz am Anfang asphaltiert, befindet sich im oberen Bereich teilweise in grobem Zustand, und eignet sich deshalb für Rennradler nicht als Auffahrt. Als Abfahrt ist sie zuerst gut fahrbar, danach folgen 600m, wo die Fahrt wegen ausgewaschenen Zustandes und zweistelligem Gefälle selbst mit MTB recht anspruchsvoll ist. Danach gibt es bei der Skistation eine längere, flache, gut zu fahrende Erdpiste. Dieses Flachstück wird von der letzten kehrenreichen Passage abgelöst. Die Kurven sind in einem schlechten Zustand, während die Abschnitte dazwischen mehr oder wenig fahrbar sind. Wählt man diese Strecke nicht als Abfahrt, so muss man die oben beschriebene Auffahrt Briançon–Gondran wählen. Zwar asphaltiert, ist sie eben sehr ausgesetzt und würde viel Konzentration verlangen. Diese kurze Abfahrt nach Montgenèvre wäre meines Erachtens das kleinere Übel.

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